Wieso manche Menschen erfolgreicher sind…

… als andere mit gleicher Fachkompetenz. Meine Motivation, den folgenden Beitrag zu schreiben und zu teilen. Die kommt vom Internetblogger Lothar ins Leben gerufenen Blogparade:

https://internetblogger.de/2020/06/wieso-manche-menschen-erfolgreicher-sind-als-andere-mit-gleicher-fachkompetenz/

Ich bin seit einigen Jahren im Berufsleben. Und habe bei verschiedene Arbeitgeber so manches erlebt und mir Gedanken gemacht. Der Beitrag ist ein reiner Erfahrungsbericht. Und Beobachtungsbericht.

Es war mein erster Job nach dem Studium und ich war Berufsanfänger. Eine Ingenieurgemeinschaft mehrerer Büros. Ein Team von 15 bis 20 Leuten. Alles alte Haudegen. Der Chef ein sehr ruhiger, besonnener Mensch. Er hatte über die Jahre ein Standing aufgebaut. Viel Erfahrung und viel Fachwissen. Innerhalb des Teams konnte ich eine Nische bearbeiten. Meine Arbeit bestand bald nur noch aus dieser einen Nische. Es war eine unauffällige Arbeit: Kaum einer merkt etwas von der Arbeit. Aber wenn etwas schief läuft, wird es teuer. Der Bereich wurde aber immer wichtiger und umfassender innerhalb der Projekte. Mein Gehalt stieg entsprechend schnell. Der Chef erkannte meine Arbeit. Er mochte mich und ich ihn. Es funktionierte gut und ich hatte meinen Verantwortungsbereich. Und ich wurde immer besser.

Der Chef ging in Ruhestand. Ein jüngerer Mann kam als Nachfolge für die Leitung. Er hatte einen schweren Stand. Und er war ein echter Schaumschläger, konnte gut reden bei wenig Fachwissen. Dabei stellte er sich nicht immer hinter das Team bei externen Besprechungen. Nur lag er dabei in der Sache nachweislich oft falsch. So ging es Monate. Gemeingefährlich, das wußte ich damals schon.

Das Team verjüngte sich bald. Ein junger Kollege kam, ich mochte ihn sehr. War vorher ein Jahr auf Jobsuche. Er war dankbar für den Job und schuftete wie ein Tier. Sein Gehalt war dabei unterirdisch und er wurde verheizt. Er biß sich aber durch. Er erinnerte sich, woher er kam. Man ging nicht immer fair mit ihm um. Demgegenüber ein anderer Kollege, ein „fauler Sack“, verstand sich gut mit dem Chef. Er ging Mittagessen und machte Kaffeepausen mit ihm. Seine Arbeit blieb dabei gerne liegen. Doch er verkaufte seine Arbeit gut. Für die Stimmung im gesamten Team war das sehr abträglich. Kaum einer hatte mehr Lust. Weil nur Ärger. Mit Chef und mittlerweile mit den Auftraggebern. Wenn Dinge liegen blieben.

Mir ging es dann auch an den Kragen. Der Chef verstand mein Arbeitfeld nicht recht. Und ich war nicht in der Lage, ihm dieses überzeugend zu verkaufen. „Schon wichtig. Doch eine Arbeit für nebenbei“ sei das. Harter Tobak. Kaum Wertschätzung von ihm und bei der nächsten Gehaltsrunde bekam ich gerade mal einen 100er mehr als Gehaltserhöhung. Ich war sehr unzufrieden. Es war für mich aber sowieso Zeit, den Arbeitgeber zu wechseln. Ich war lange genug bei meinem ersten Unternehmen und wollte was Neues sehen. Obwohl erst versprochen, wurde kein Ersatz für mich geholt. Die Arbeit wurde auf zwei Kollegen verteilt. Zusätzlich zu ihrer Arbeit und mit gerade zwei Wochen Einarbeitung. Das konnte nicht gut gehen und ging nicht gut. Meine Arbeit wurde kurz darauf an einen (sehr teuren) Externen ausgelagert. Kurz nach meiner Kündigung verloren wir schließlich unseren größten Auftraggeber. Hier erkenne ich einen temporären Zusammenhang, keinen kausalen. Die Stimmung aber war am Tiefpunkt. Aus der Ferne beobachtete ich das und war traurig und glücklich zugleich. Dass ich noch rechtzeitig den Absprung geschafft habe.

Als Fazit haben alle Beteiligten beruflichen Erfolg oder Mißerfolg vorzuweisen.

Der Chef ist ein halbes Jahr nach meinem Weggang selbst gegangen. Ich erfuhr, er war nie länger als zwei Jahre bei einem Arbeitgeber. Hat aber nun wieder eine Leitungsfunktion inne. Er hat beruflichen Erfolg. Durch tolles Auftreten und der Station im Lebenslauf geht er weiter seinen Weg.

Der faule Hund von Kollege blieb auf seiner Position. Er wird gut bezahlt und macht das Nötigste. Mit minimalen Aufwand das Maximum. Das zähle ich im gewissen Maße als Erfolg.

Der junge Kollege wurde betriebsbedingt gekündigt. Ist wieder auf der Suche. Aus der Position der Schwäche heraus ist es in der Branche einfach schwierig. Er war zur falschen Zeit da.

Und ich? Ich ging zu einem Unternehmen, mit dem ich in den letzten beiden Jahren in meiner Nische arbeitete. Und das sich genau darauf spezialisierte. Eine Zusage mit deutlich besseren Konditionen. Keine Ausschreibung. Nur durch die Zusammenarbeit und guten Kontakt zu deren Team. So den beruflichen Erfolg begründet.

Ich machte noch weitere Erfahrungen bei meinem neuen Arbeitgeber. Gute wie schlechte Erfahrungen. Beruflicher Erfolg hat mit so vielen Dingen zu tun. Fähigkeit, Glück, Kontakte, Auftreten. Am Ende glaube ich, geht es nur um eines bei beruflichem Erfolg: Den oder diejenigen, die über den Job entscheiden von sich zu überzeugen. Sei es berede sein wie mein ehemaliger Chef. Oder durch vorherige Erfahrung in einer anderen Zusammenarbeit. Oder durch die besoffenen Abenden mit Menschen anderen Firmen an der Bar bei Konferenzen. Habe selbst im Rückblick vieles falsch gemacht. Letzlich stelle ich mir noch eine weitere Frage.

Hat man mit dem beruflichen Erfolg auch das private Glück? Das ist eine andere Geschichte. Ich war beruflich beim neuen Arbeitgeber sehr erfolgreich. Aber im Schnitt 50h/Woche unter Strom und Geschäftspraktiken, die mir nicht koscher waren. Das war ungesund für mich. Ich wechselte abermals. Dieses Mal mit einem kleinen monetären Downshift. Aber deutlich mehr Zeit zum Leben und ich lebe zufrieden. Das ist meiner Meinung auch Erfolg. Erfolg, den es nicht zu unterschätzen gilt.

2 Kommentare zu „Wieso manche Menschen erfolgreicher sind…“

  1. Wenn ich das Ganze so lese, stelle ich erschreckend viele Parallen fest. Ich bin auch seit einiger Zeit im Beruf: der Kollege, der nichts wirklich tut, der fleißige der am Ende doch nicht belohnt wird, der/die Schwätzer die sich irgendwie durchmogeln. Am Ende ist vieles schlicht Zufall, die ist die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt, ist gerade der richtige Chef in der richtigen Position und gefällt dem meine Nase.
    Ich dachte früher auch mal, dass Leistung automatisch erkannt und auch belohnt wird. Selten ist das der Fall, zumindest wenn die Firma groß genug ist. Kurzum die Welt ist ungerecht und damit muss man am Ende klarkommen. Gut ist, wenn man Alternativen hat.

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  2. Ich teile deine Meinung! Faszinierend ist meiner Meinung nach an dieser Stelle, dass die Zufriedenheit im Leben, also der Erfolg außerhalb des Jobs, selten genauso anerkannt wird, wie der im Job. Das erlebe ich zunehmend in meinem Umfeld, allerdings mehrheitlich von Menschen jenseits der 50 Jahre. Bei jüngeren stelle ich schon fest, dass sich da etwas verändert. Würde ich mir noch mehr von wünschen, aber hey, klein anfangen. Cooler Blog übrigens!

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